Warum brauchen wir Communities? Wie können sie Räume für Innovation und Zusammenarbeit schaffen? Und welche Rolle spielen sie in der Stadtentwicklung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt von »Inspiration & Talk« im Munich Urban Colab. Ein Abend voller Impulse, bei dem Nadine Vicentini von bayerndesign, Marco Eisenack von Mucbook und der Munich Innovation Crew, Julia Christiansen von der Stadt München und Sonja Pham vom Grafikmagazin ihre Perspektiven teilten – moderiert von Gastgeberin Sabine Hansky.

Die Essenz von Communities
Eines wurde bei der Anmoderation von Sabine Hansky und beim Einstieg ins Thema mit dem Panel schnell klar: Eine Community lässt sich nicht eindeutig definieren – und das ist auch gut so. Sie ist weit mehr als eine lose Gruppe Gleichgesinnter, die für jede:n etwas anderes bedeuten kann. Fast immer jedoch geht es um Austausch, Vertrauen und gemeinsames Arbeiten an Ideen oder Projekten.
Dass eine lebendige Community kein Nice-to-have ist, sondern ein essentielles Netzwerk – quasi ein Zugeständnis, dass man einander braucht –, haben wir beim Grafikmagazin selbst oft erlebt. Unsere Crowdfunding-Kampagne zum Start des Magazins wurde von weit über 500 unterstützenden Menschen getragen. Die ersten zwei Jahre verbrachten wir im Coworking Space des Ruffinihauses, wo Begegnungen und Gespräche unser Arbeiten prägten. Unsere Konferenzen – von der Creative Paper Conference bis zur Druck und Design Konferenz – bringen regelmäßig Kreative zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Auch der Abend im Munich Urban Colab hat eindrucksvoll gezeigt, wie sehr Menschen den persönlichen Austausch in physischen Räumen suchen – denn virtuelle Netzwerke können echte Begegnungen nicht ersetzen.



Zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion
Achtung vor der Bubble-Bildung: So wertvoll eine Community ist – sie kann auch ausschließend wirken. Wer nicht aufpasst, bleibt unter sich. Digitale Algorithmen verstärken diese Tendenz zusätzlich. Die Herausforderung besteht darin, Communities offen und durchlässig zu halten. Eine tolle Intiative ist hier die hiesige munich creative business week, die es sich auch mit dem diesjährigen Motto »How to design a vibrant community« zur Aufgabe macht, auf die verschiedensten Akteur:innen zuzugehen und Synergien zu schaffen. Auch das Programm des mcbw Design Summit spiegelt dies wider; der Tag voller Keynotes und Panels findet am 12. Mai 2025 übrigens ebenfalls im Munich Urban Colab statt.

Auch der Wert physischer Orte sowie der direkte Austausch bleiben essenziell, das wurde im Panel mehrmals betont. Das Munich Urban Colab selbst zeigt, wie Orte Begegnung und Zusammenarbeit ermöglichen können. Doch ohne engagierte Menschen, die diese Räume beleben und vernetzen, bleibt es nur ein Gebäude. Community Manager spielen hier eine entscheidende Rolle, davon erzählte auch Marco Eisenack, der neben der Arbeit am Mucbook zig Coworking Spaces und Zwischennutzungen mitinitiiert hat. Er plädierte sehr für mehr echtes Interesse an Mitgestaltung und Engagement im Lokalen: »Empathie ist nicht laut – zumindest nicht im Vergleich zu Hass. Die virtuelle Welt kann hier nicht die alleinige Lösung sein, da sie dort zu leise ist. Wir brauchen echte Begegnungsorte, denn nur dort können wir sie wirklich spüren.«

Eine Wortmeldung aus dem Publikum definierte auch das Ehrenamt als treibende Kraft, was auf viel Zustimmung stieß: Viele erfolgreiche Communities basieren auf freiwilligem Engagement. Ohne Menschen, die sich in ihrer Freizeit für eine Sache einsetzen, würden viele Initiativen gar nicht existieren. Doch auch städtische Initiativen, wie diejenigen, von denen Julia Christiansen berichtet, werden natürlich gebraucht. Genauso relevant ist es, dass wirtschaftliche Akteur:innen hier engagieren; just zum Panel stellte die Mars Wrigley Foundation das Förderprojekt »Zusammen.Halt« vor, das im Großraum München Begegnungsstätten mit bis zu 100.000 $ unterstützt und so einen »aktiven Beitrag zu einem zukunftsfähigen und lebendigen München leisten möchte«, hieß es.

Für mehr reale Vernetzung in der Kreativszene!
Für das Grafikmagazin stand an dem Abend thematisch die Vernetzung mit dem Kreativquartier und der Münchner Designszene im Fokus – eine Community, die uns in unserer Arbeit konkret beeinflusst und immer wieder inspiriert. Viele unserer Artikel entstehen aus Gesprächen und Begegnungen, oft direkt im Viertel oder bei Events. Das Munich Urban Colab und das Kreativquartier sind tolle Beispiele für diese Synergien – sie ermöglichen spontane Zusammenarbeit und den direkten Austausch, der Innovation erst möglich macht.
Doch auch über die Grenzen Münchens hinaus möchten wir mit unserer Arbeit immer wieder für mehr reale Zusammenarbeit und lokale Vernetzung plädieren. Das gelungene »Inspiration & Talk«-Format hat auch dank der vielseitigen Wortmeldungen aus dem Publikum eindrucksvoll gezeigt: Communities sind essenziell für Innovation, gesellschaftlichen Zusammenhalt und lebenswerte Städte. Die Diskussion auf der Bühne war inspirierend, die Gespräche im Anschluss umso wertvoller.



Danke an Sabine Hansky für die tolle Moderation und an alle Gäste für den lebendigen Austausch! Es war eine Freude, Teil dieser Runde zu sein.
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