Kathrin (24) ist eine der Jüngsten, aber liebt das Alte. Und Claudius (51) ist der AI Experte bei BECC, liebt aber auch Retro-Trends. Sie sind zwei völlig unterschiedliche Generationen Designer*innen und teilen doch viele Gemeinsamkeiten. Was passiert, wenn Erfahrung auf frische Unbefangenheit trifft? Wenn CI-Logik auf kreative „Tüte-auf-und-erstmal-machen“-Mentalität stößt?

Claudius: Nach vielen Jahren in der Markenarbeit kennt man die Mechanik: Briefing, CI-Guidelines, Abstimmungen. Diese Struktur ist essenziell – aber sie darf nicht zu früh greifen. Denn Kreativität entsteht nicht aus Ordnung, sondern aus Reibung. Wenn Prozesse zu früh dominieren, wird Gestaltung vorhersehbar. Genau hier bringen junge Kolleginnen wie Kathrin einen anderen Zugang ein: weniger Angst vor dem falschen ersten Schritt, mehr Mut zum Unfertigen. Das wirkt manchmal chaotisch, ist aber ein notwendiger Zustand, um neue Bilder, Gedanken und Richtungen überhaupt entstehen zu lassen.



Kathrin: Ich starte bewusst ohne Filter. Am Anfang eines Projekts möchte ich möglichst wenig bewerten und möglichst viel zulassen. Das ist der Moment größtmöglicher Freiheit – und auch der Moment, in dem Ideen entstehen, die man später nicht mehr „herdenken“ kann. Erst im nächsten Schritt wird diese Offenheit kanalisiert. Claudius hilft mir dabei, Ideen zu verdichten, zu schärfen und so zu übersetzen, dass sie zur Marke passen. Diese Klarheit am Ende funktioniert aber nur, weil am Anfang bewusst Unklarheit zugelassen wurde.
Ihre gemeinsame Erkenntnis: Zeitgemäßes Branding braucht klare Dramaturgie. Erst maximale Offenheit und Irritation, später Struktur, Einordnung und Markenkonformität. Nicht alles muss sofort Sinn ergeben – aber am Ende muss alles Sinn machen. Wie beim Fahrradfahren: Wenn Rahmen, Teile und Antrieb zusammenpassen, fährt es sich nicht nur leichter, sondern macht auch mehr Spaß.

Mehr Informationen über BECC finden Sie auf https://www.becc-agency.com/ und mehr über AI gibt es hier zu lesen: Grafikmagazin.de





