Noch bis 4. Oktober findet in Wien schon zum 20. Mal die Vienna Design Week statt und wer es bisher noch nicht geschafft hat, sollte sich unbedingt auf den Weg machen, denn diese Veranstaltung begeistert und feiert Gestaltung in all ihren Facetten.

2006 hat es bescheiden angefangen, davon zeugt auch das erste Plakat – wer konnte schon ahnen, dass sich das Engagement einer Handvoll Engagierter so langfristig auszahlen würde. Wie sich die Vienna Design Week entwickelt hat, kann man auch gut anhand der Veranstaltungsplakate erkennen. Die Editionen der letzten 20 Jahre sind im MAK – Museum of Applied Arts zu sehen. Am 29.9. eröffnet um 19 Uhr die Ausstellung »Vienna Design Week. Eine Stadt voller Plakate« und würdigt nicht nur Lilli Hollein, Tula Beyerle und Thomas Geisler, die die Initiative ins Leben riefen, sondern auch alle Gestalter:innen, die der Vienna Design Week zu Sichtbarkeit verhalfen.
Wer schon vor Ort ist, sollte sich im MAK auch die wirklich spannende Schau zu Wien um 1900 nicht entgehen lassen. Was sie so reizvoll macht, ist das Ausstellungskonzept, denn das MAK hat sich für die Präsentation von Textilien, Möbeln und Schmuck mit verschiedenen zeitgenössischen Künstler:innen zusammengetan, die ihre jeweils eigene Dramaturgie in die wunderbaren Exponate bringen.



Kunsthandwerk und Handwerkskunst
Ein wirklich gelungener Programmpunkt der Vienna Design Week sind die Passionswege. Was etwas altertümlich klingt, entpuppt sich als großartig kuratierte Ansammlung von Handwerksbetrieben und Geschäften, die auf teils über hundertjährige Traditionen zurückblicken und ihr Handwerk noch heute mit unglaublicher Kunstfertigkeit ausüben. Von Juwelierskunst bis hin zu maßgeschneiderten Pyjamas und von Glas und Porzellan bis hin zum Schuhmacherhandwerk gibt es hier vieles zu entdecken. In den Geschäften selbst befinden sich dann die namensgebenden Kunstwerke, denn jeder Betrieb hat mit einem Künstler oder einer Künstlerin kooperiert, sie interpretieren das jeweilige Handwerk und überführen es in ein Werk – Designpilger sind eingeladen, insgesamt fünf Passionswege zu beschreiten.



Wien erschafft sich selbst
Ein weiterer interessanter Stop ist Biofabrique Vienna. Die etwas längere Anfahrt lohnt sich, denn hier kann man sich über den aktuellen Stand eines Projektes informieren, dass das Bauen in Zukunft sehr viel nachhaltiger machen könnte. Es gibt seit Jahren viele Forschungsprojekte, die aus Reststoffen Neues entstehen lassen wollen. Bei Biofabrique ging es aber darum, erstens nur Dinge zu verwenden, die tatsächlich nirgendwo mehr genutzt werden und zum Beispiel deponiert oder verbrannt werden müssen. Und die Rohmaterialien sollten vor Ort zu haben sein, um Transportwege zu minimieren. Aktuell erforscht das Projekt Wiener Farben: eine neue, ortsspezifische Farbpalette, die aus bislang ungenutzten organischen Reststoffen aus Wien gewonnen wird. Wer tiefer eintauchen möchte, am 1. Oktober findet eine Expert:innenführung statt.


Über 200 Veranstaltungen, 60 Locations
Von Ausstellungen bis hin zu Workshops wird in dieser Woche sehr viel geboten. Am besten beginnt man aber wohl in der Festivalzentrale. Sie ist in diesem Jahr in einem ehemaligen Versicherungsgebäude untergebracht und der 80er-Jahre-Büro-Charme verbreitet eine ganz eigene Atmosphäre, besonders wenn er auf zeitgemäßes Design trifft. Hier präsentiert sich auch Design Luxemburg, der diesjährige Partner der VDW mit der Installation »two-o-eight – designing voices«, die auf spannende Art vermittelt, wie die Designszene klingt. Der Eintritt in die Festivalzentrale am Hietzinger Kai 101 ist kostenfrei, allerdings sollte man auf jeden Fall Zeit mitbringen, denn es gibt enorm viel zu sehen.
Wer kann, sollte sich bis 4. Oktober unbedingt zumindest einige Programmpunkte ansehen. Und wer in diesem Jahr nicht nach Wien kommen kann, sollte sich schon für das nächste Jahr seinen Kalender frei räumen, denn Die Vienna Design Week bereichert und macht wirklich Spass.






