An der Technischen Hochschule Nürnberg wird nicht nur das Designhandwerk gelehrt, Studierende werden auch ermutigt, in die Autorenschaft zu gehen. Das Buchprojekt »Freiheit« bot einen guten Nährboden, um Dinge zu lernen, die für den Designberuf unerlässlich sind: Kreativität jenseits des Computers entdecken, selbst produzieren, inhaltsbezogen gestalten und kollaborativ arbeiten.

Im sechsten Semester haben die Studierenden in Nürnberg gerade ihr Praktikum hinter sich und stehen kurz vor dem Abschluss. In dieser Zeit sollen sie lernen zu recherchieren, sich selbst Inhalte zu erarbeiten und eigene Blickwinkel zu entwickeln. Markus Lange plante deshalb für seinen Grafikdesign-Kurs, ein Buch zu erstellen, und übertrug den Studierenden die Aufgabe, zum Thema Freiheit eigene Texte zu schreiben und jeweils 16 Seiten zu layouten. »Viele haben Respekt davor, ein ganzes Buch zu gestalten«, sagt Lange, »durch den Kurs wird die Hürde kleiner, weil man gemeinschaftlich an die Sache herangeht.« Aufgaben rund um die Buchproduktion wurden aufgeteilt und somit auf viele Schultern verteilt, ihre eigenen Seiten mussten die Studierenden aber selbst entwickeln und dann auch am Risografen drucken. Nur zwölfmal traf sich die 14-köpfige Gruppe, bis von der ersten Besprechung hin zum Drucken der Seiten ein fertiges Buch entstand. Ein sportlicher Zeitplan, doch Markus Lange lacht nur, im Berufsleben seien die Projektzyklen doch oft wesentlich straffer. Und im Kurs steckte noch so manch anderes Learning. Um den Zeitrahmen nicht völlig zu sprengen, durften die Studierenden nur maximal mit zwei Farben drucken – eine Beschränkung, die für viele irritierend war. »Mir war es wichtig«, sagt Lange, »dass die Studierenden vom Vierfarbdenken wegkommen, das sie vom Computer gewohnt sind. Sie sollten erfahren, wie der Druckprozess die Gestaltung beeinflusst.«

Durch die Limitierungen mussten die jungen Kreativen neue Lösungen finden und machten die Erfahrung, dass auch Zufälle oder Handwerksspuren im Druck zu reizvollen Ergebnissen führen können. Auch in puncto Papier war das Projekt kein Wunschkonzert, gedruckt wurde auf Metapaper Rough Air, das sich für Risografie gut eignet und auch bei der Weiterverarbeitung war man gezwungen, im Budget zu bleiben. »Für Designer:innen ist es wichtig zu merken, dass ihre Entscheidungen Kosten verursachen«, meint der Dozent, doch Beschränkungen seien auch immer eine Chance, kreativ zu werden.



Am Ende wurden die 14 Studierenden auf jeden Fall reich belohnt mit einem hochwertigen Buch, das ihre eigenen Arbeiten bestens zur Geltung brachte. Und sie hatten erfahren, dass man in der Gestaltung besser vorankommt, wenn man zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt. »Es ist schön zu sehen, wenn die Erleuchtung kommt«, erinnert sich Markus Lange, »Design ist einfach Teamsport.«

Mehr Studierendenarbeiten und einen Schwerpunkt auf Education gibt es in der Ausgabe 02.24 hier: grafikmagazin.de
Auf der Website der TH Nürnberg stehen mehr Infos zum Studiengang Design th-nuernberg.de





