An Wissen mangelt es uns eigentlich nicht, die Forschungsergebnisse auch zu verstehen, ist allerdings eine andere Sache. In ihrer Masterarbeit versucht Emily Gelbert, Klimadaten verständlich zu visualisieren, und setzt bewusst auf Print, um eine intensivere Beschäftigung mit den Inhalten zu erzielen.

»Als Kind dachte ich, wenn es einmal zu einer Überflutung kommt, dann vom nahe gelegenen Rhein. Dass von der sehr viel kleineren, an manchen Stellen nur knietiefen Ahr eine Gefahr ausgeht, hätte niemand gedacht. Trotzdem kam es 2021 anders und meine Heimat rückte durch die Ahrtalflut in den Mittelpunkt der Klimakrise«, schreibt Emily Gelbert. Für die Designerin bekam der sonst so abstrakte Klimawandel also eine sehr persönliche Dimension, aus eigener Erfahrung weiß Gelbert aber auch, wie schwer es ist, das eigentlich in Fülle vorhandene Wissen auch wahrzunehmen und zu verstehen. Für ihre Masterarbeit im Bereich Social Design & Sustainable Innovation an der SRH Hochschule für Design und Kommunikation setzte sie sich deshalb mit der Vermittlung wissenschaftlicher Klimadaten und ihrer Visualisierung auseinander. Der IPCC-Bericht veröffentlicht zum Beispiel regelmäßig den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel, doch wer nicht fachlich geschult ist, der verliert schnell den Überblick. »Meine Arbeit setzt bei dieser Kommunikationsbarriere an«, erklärt Gelbert. »Basierend auf den Erkenntnissen des IPCC Syntheseberichtes 2023 veranschaulicht das Projekt ›Paradigm Shifting‹ die oft weniger offensichtlichen Auswirkungen des Klimawandels und zeigt sowohl mögliche Strategien als auch Maßnahmen auf, mit ihnen umzugehen.«


Doch Emily Gelbert war es wichtig, nicht nur zu beschreiben, was passieren könnte. Der Perspektivwechsel – wie er im Titel ihrer Arbeit schon angelegt ist – bedeutet für sie vor allem auch, dass wir lernen müssen, uns dem Klimawandel anzupassen. Die Informationsvermittlung in »Paradigm Shifting« erfolgt sehr minimalistisch und Gelbert setzte neben den Primärfarben Schwarz und Weiß nur wenige Farben ein, die an die sogenannten Warming Stripes angelehnt sind. Für Print entschied sie sich, um durch das haptische Erleben eine stärkere Interaktion und Verbindung mit den Inhalten zu erreichen. Das Buch selbst ist kleiner als A5 und verfügt über rund 80 auf Recyclingpapier gedruckte Seiten. Bei der Schriftwahl setzte die Gestalterin auf die zurückhaltende Acumin Variable Concept und setzte die Wortmarke und die Überschriften in der Ambiguity Radical. »Der Wandel des Klimas ist vielschichtig und radikal – genauso wie es der Kampf sein muss, ihn einzudämmen«, erklärt sie. »Diese vielseitigen Aspekte wollte ich auch mit der Schriftart deutlich machen.« Auch die Papierwahl unterstützt die Thematik, so erlaubt der Einsatz von Transparentpapieren, zum Beispiel Veränderung und Zusammenhänge einfach zu visualisieren, etwa die Abnahme der Schneedecke. Auch bei der Nummerierung ließ sich Emily Gelbert etwas einfallen, statt Seitenzahlen setzte sie auf einen Countdown, der sich langsam auf zwölf Uhr zubewegt. Das letzte Kapitel endet jedoch nicht um Mitternacht, sondern eine Minute davor – Gelberts Botschaft: Noch können wir handeln.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf www.emilygelbert.de
Der Master »Transformation Design & Print« an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) verbindet Nachhaltigkeit und Konzeption. Mehr darüber gibt es hier: grafikmagazin.de





